Wallop rückt MySpace auf den Leib
So geht Innovation bei Microsoft: Abwarten, was die anderen so aushecken, dann eine Kopie auf den Markt bringen und auf die Dampfwalzen-Methode der Marketing-Abteilung hoffen. Im Fall der Social Networking-Seiten gehört bislang MySpace die Krone. Nicht weil die Seite besonders gut gestaltet oder benutzerfreundlich ist -- genau das Gegenteil ist der Fall.
Nun hat Microsoft mit Wallop nachgezogen. Im F&E-Bauch des Softwareriesen entwickelt und als eigene Firma mit jugendlich-frischen Gesichtern mitten in San Francisco ausgegründet, bringt die Seite, in die man bislang nur per Einladung kommt, erstaunlich frischen Wind in einen Winkel des Webs, in dem sich bereits jede Menge gute bis miserable Wettbewerber drängen. Wallop ist komplett Flash-basiert, im Handumdrehen zu konfigurieren und sieht einfach gut aus, soweit ich das als -- in Web-Jahren gerechnet -- Oldie beurteilen kann.
Apple-Nutzer werden die schamlosen Anleihen bei Dashboard und den Widgets bemerken, und auch das Geschäftsmodell ist iTunes light. Jeder Programmierer kann Mods oder andere Elemente hochladen, und Nutzer über 18 können sie für Micropayments mit ein, zwei Klicks kaufen. Zehn Cents hier, 25 Cents da -- Kleinvieh macht Mist. Noch dazu, wenn der Stall so gut designt ist, dass "Pimp my Network" nicht mehr aussieht wie eine hausgestrickte Webseite anno 1995 bei MySpace.
Wie mir Matt Adereth, einer der Männer der ersten Stunde bei MS und jetzt Wallop, in einer Demo vorführte, ist vor allem die Visualisierung des eigenen Netzwerks ein Schritt nach vorne. In einem persönlichen Sonnensystem sieht man, wer die direkten Kontakte und Gruppen sind, und wer mich extern in seinen Freundeskreis aufnehmen will. Der Wunsch wird mit einem Pfeil über dem Kopf angezeigt und
lässt sich mit Drag & Drop erhören. So werden Adoptionsgelüste auf einen Blick sichtbar.
Wallop ist spät am Markt, aber sicher nicht zu spät. MySpace ist vom Interface so finster, das Geschäftsmodell so unausgegoren, dass für Neuzugänge wie Facebook, Piczo oder Bebo immer noch genügend Platz bleibt. Die drei Seiten hatten laut comScore im August 15,5, bzw. 10,2 und 9,0 Millionen unique visitors. Microsofts Marketingmaschine wird sicher das ihre tun, um Wallop den nötigen "Wallop" zu geben -- der Name ist das Programm.
Wer´s ausprobieren will: Die ersten drei Zuschriften bekommen von mir eine Einladung zu Wallop.
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